Startseite > Medien > 2007 > 10 Jahre BOOT










Konzertpartner:




10 Jahre BOOT

Übers Wochenende feierte das Blasorchester Oberland Thun in Spiez und Thun sein 10-jähriges Bestehen. Im Zentrum der Jubiläumskonzerte standen zwei Uraufführungen von Patrik Marti aus Thun und Stefan Hodel aus Luzern.

Seit zehn Jahren schafft das Blasorchester Oberland Thun (BOOT) ein einzigartiges Netzwerk. «Mit unseren Konzerten verbinden wir jährlich gegen 65 Musikerinnen und Musiker», steht in den Programmnotizen. Übers Wochenende feierte das BOOT im Spiezer Lötschbergsaal und anderntags im Schadausaal Thun sein zehnjähriges Bestehen. An Stelle von Festansprachen begeisterte das voll ausgebaute Blasorchester nach nur acht Proben mit Vielfältigkeit und musikalischer Beweglichkeit in anspruchsvollen Werken von Schweizer Komponisten. Oliver Waespi und Stefan Hodel mischten sich in Spiez gleich selbst unter die Zuhörenden. Der Dritte im Bunde, Patrik Marti, wirkte auf dem Perkussionsregister mit.

Verträumt bis feurig
Mit der Toccata aus der Suite Nr. 1 von Oliver Waespi eröffnete das BOOT unter der Leitung von Ludwig Wicki das Jubiläumskonzert. Um Detailpflege von Finessen ging es in Waespis «Il Cantico». Verträumt bis feurig erklang der durch Franz von Assisis inspirierte Sonnengesang. Wicki überzeugte mit ruhiger, aber sehr dienlicher Dirigierweise und erzielte ein sorgsam durchgestaltetes Musizieren. Besonders bemerkenswert waren die brillanten solistischen Einsätze, die Homogenität innerhalb der Register und des gesamten Blasorchesters, dessen Klanglichkeit rund und transparent wirkte.

Wild interpretiert
Mit dem Thuner Patrik Marti und dem Luzerner Stefan Hodel gelang es dem BOOT, zwei motivierte Musiker für die Auftragskompositionen zu gewinnen. Als grosser Verehrer von Dimitri Schostakowitsch liess sich Marti in seinem Concertino für Flöte, Englischhorn und Blasorchester von der Aussage des russischen Komponisten leiten: «Es ist die Aufgabe der Komponisten, mit ihrer Musik die Welt zu zeigen, wie sie wirklich ist. Ich wehre mich dagegen, dass wir die Zuhörer nur unterhalten sollen.» Auf diese Art vermittelte er eine vertonte Sicht auf die heutige Politik, die Medien und eine Gesellschaft, deren Weitsicht auf eine gemeinsame Zukunft schon längst verloren gegangen ist. In zum Teil dunkel, wirr oder wild interpretierten Passagen widerspiegelte sich ständiger Kampf um Machterhalt ohne Rücksicht auf Verluste. Auch Trauer und Ohnmacht, wie schnelllebig unsere Welt geworden ist, kommt eindrücklich, schier aufwühlend und zum Nachdenken anregend zum Ausdruck. Konzentriert und beweglich in der Gestaltung übernahmen die Solisten Marc Graf (Flöte) und Regula Schütz (Englischhorn) ihre anspruchsvolle Aufgabe.

Gefühlsbetont
Nach gefühlsbetonten, erfrischenden mexikanischen Melodien und Rhythmen in Franco Cesarinis «Mexican Pictures» folgte die zweite Uraufführung. Hochs und Tiefs der Menschheit liess Stefan Hodel in «Lines etc.» einfliessen. Seine Liebe zum Jazz/Big Band kamen in Spiez und Thun ideal mit klassischen Elementen verwoben und an Bruckner angelehnt zum Tragen. Wie Marti gelang es Hodel, das Werk auf die Bedürfnisse des BOOT auszurichten. Nach kaum endendem Applaus liess das BOOT mit zwei Zugaben - ein farbig gespielter Marsch durfte beim sinfonischen Blasorchester nicht fehlen - das spannungsvolle Jubiläumskonzert ausklingen.

Heidy Mumenthaler - Thuner Tagblatt, 20. Februar 2007

© 2017 Blasorchester Oberland Thun
Kontakt Sitemap Home